CDU fordert Klarheit: Röhrtalbahn oder Röhrtalradweg

Die CDU Sundern fordert in einem Schreiben an den Bürgermeister der Stadt Sundern, Detlef Lins, und den Landrat des Hochsauerlandkreises, Dr. Karl Schneider, Klarheit über die Zukunft der Röhrtalbahn: „Seit nunmehr fast drei Jahren haben wir nichts mehr von einer möglichen Projektierung des Vorhabens ‚Reaktivierung Röhrtalbahn’ gehört“. Das Schreiben im Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Landrat, in den vergangenen Jahren haben der Rat der Stadt Sundern, der Kreistag des Hochsauerlandkreises sowie die politischen Parteien und weitere Akteure in der Region in unregelmäßigen Abständen, aber sehr intensiv, über die Zukunft der Röhrtalbahn beraten. Zweifellos gibt es dabei unterschiedliche (politische) Sichtweisen, inwieweit die mittlerweile über 114 Jahre alte Bahntrasse – insbesondere mit Blick auf den Schienenpersonennahverkehr – heute noch sinnvoll für die Region ist. Eine Potenzialanalyse des Hochsauerlandkreises kommt zu dem Schluss, dass eine Reaktivierung der Trasse volkswirtschaftlich sinnvoll sein kann. Ende 2011 sah das Gutachten ein Potenzial in Höhe von bis zu 1.900 Fahrgästen täglich.

Fraglich bleibt aus realpolitischer Sicht jedoch, inwieweit diese Zahlen in Zeiten des höchsten Individualverkehrsaufkommens, das sicherlich auch der Siedlungsstruktur und dem übrigen ÖPNV-Angebot im Stadtgebiet Sundern geschuldet ist, zuverlässig sind. Darüber hinaus haben wir seit nunmehr fast drei Jahren nichts mehr von einer möglichen Projektierung des Vorhabens „Reaktivierung Röhrtalbahn“ gehört. Am 27. März 2012 hat die Verbandsversammlung des NWL den Beschluss über die Aufnahme in den Nahverkehrsplan gefasst. Dies war ja die Voraussetzung, damit eine Anmeldung zur nun anstehenden Fortschreibung der Infrastrukturbedarfspläne (IGVP) des Landes NRW überhaupt vorgenommen werden konnte.

Unabhängig von der völlig unbefriedigenden Zeitschiene – mit offenem Ausgang des Verfahrens – möchten wir Folgendes zum Ausdruck bringen: Dem möglichen Potential gegenüber stehen Investitionskosten im zweistelligen Millionenbereich, dazu fast 900.000 Euro jährlicher Zuschussbedarf. Eine Summe, die aus Sicht der CDU eine Reaktivierung der Röhrtalbahn nahezu unmöglich macht. Denn weder die Stadt Sundern, noch der Hochsauerlandkreis sind aus finanzwirtschaftlicher Sicht in der Lage, eine solche Investition zu tätigen. Auch der Bund, der wohl Hauptgeldgeber wäre, erscheint nicht gewillt, entsprechende Mittel für die 14 Kilometer lange Strecke zur Verfügung zu stellen. Dafür spricht auch der Rückzug des Bundes aus anderen, wesentlich größeren Bahnprojekten in Deutschland und – für die Region bedeutend – die aktuelle Diskussion um die Sanierung der oberen Ruhrtalbahn.

Hieraus ergeben sich neue Chancen für die Region und für Sundern. Die CDU bittet deshalb die Verwaltung der Stadt Sundern, mit der Stadt Arnsberg und dem Hochsauerlandkreis zu prüfen, ob

  1. Überhaupt kurzfristig und realistisch eine Möglichkeit der tatsächlichen Reaktivierung der Röhrtalbahn einschließlich Personenbeförderung gesehen wird in Anbetracht der Entwicklung in den letzten Jahren oder bei negativer Prognose
  2. inwieweit eine Umwidmung der Trasse der Röhrtalbahn in einen Radweg, der die Stadt Sundern, die Orte Stemel, Hachen und Müschede und die touristische Destination Sorpesee nahezu unmittelbar an den Ruhrtalradweg in Arnsberg und damit direkt an das Ruhrgebiet und das obere Sauerland anbinden würde, möglich ist, und
  3. welche politischen Beschlüsse der unterschiedlichen politischen Gremien erforderlich wären.
  4. Zudem sollte eine Schätzung der mit der Umwidmung und Herrichtung eines Radweges verbundenen Kosten für die Städte Sundern und Arnsberg erfolgen. Dargelegt werden sollten außerdem die Kostenersparnisse wie beispielsweise beim Wegfall von Instandhaltungen der bestehenden Bahnstrecke, Gewährleistung der Betriebssicherheit von Bahnübergängen etc.

Die CDU Sundern sieht in dieser Überlegung eine realistische Chance, das Röhrtal mit den Orten Müschede, Hachen, Stemel und Sundern, sowie die touristische Destination Sorpesee nahezu unmittelbar an den beispiellos erfolgreichen Ruhrtalradweg in Arnsberg anzubinden. Dort profitieren vom steigenden Radtourismus sowohl die Wirtschaft als auch insbesondere die Gastronomie und Hotellerie entlang der Route des Ruhrtalradweges, der auf insgesamt 230 Kilometern die Städte Winterberg und Duisburg-Ruhrort verbindet.

Die Trasse der Röhrtalbahn bietet sowohl landschaftlich wie auch topografisch hervorragende Voraussetzungen für Radfahrer aus der Region und weit darüber hinaus. Geringes Gefälle, eine attraktive Landschaft sowie die unmittelbare Anbindung an den Sorpesee sind aus Sicht der CDU Argumente für eine Umwidmung, die letztlich aber von vielen politischen und gesellschaftlichen Akteuren gewollt sein und mitgetragen werden muss.

Die Stadt Sundern, ebenso wie die Stadt Arnsberg, sollten sich diese einmalige Chance jedoch nicht entgehen lassen. Eine Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs erscheint heute utopischer denn je. Das Potential, das eine direkte Radweganbindung vom und ins Ruhrgebiet sowie vom und ins obere Sauerland birgt, erscheint dagegen überwältigend. Ebenso wie die Chance, das wirtschaftliche Standbein Tourismus in Zeiten zurückgehender Industriearbeitsplätze massiv zu stärken und auszubauen“.